Melodie und Akkorde

Deine Werkzeuge beim Songwriting

Wenn wir Songs schreiben, haben wir es mit drei Dingen zu tun:

  • Melodie
  • Akkorde
  • Text

Manche Songwriter beherrschen alle drei Aspekte. Manche nur einen oder zwei davon. So hat Elton John unzählige Hits geschrieben, ohne selbst die Texte zu verfassen. Diesen Teil hat er seinem musikalischen Partner Bernie Taupin überlassen. Du musst also nicht zwangsweise alles können, um tolle Songs zu erschaffen. Tatsächlich ist dazu wesentlich weniger notwendig, als Du vielleicht glaubst. Sehen wir uns die Sache aus der Nähe an:

Die Verbindung von Melodie und Akkorden

Melodien bestehen aus einzelnen Tönen. Akkorde bestehen (meistens) aus drei oder vier Tönen, die zusammen erklingen. Der Trick ist nun, diese Dinge zu verschmelzen. Dazu ein paar Beispiele:

When the saints go marching in

Vermutlich gibt es in der westlichen Welt kaum ein Kind, das diesen amerikanischen Gassenhauer noch nie gehört hat. Der Song beginnt mit „Oh when the saints ...“. Dabei singen wir die Töne: C - E - F - G

Drei dieser Töne bilden den C-Dur-Akkord: C, E und G. Im Prinzip singen wir also den C-Akkord, plus das F als „Übergangston“. Der passende Akkord dazu ist also C-Dur.

Der Imperial Marsch aus Star Wars

Diese Melodie ist untrennbar mit Darth Vader verbunden. Er taucht auf der Leinwand auf und: „Da Da Dahhh Da Da Dahhh Da Da Dahhh!. Die Töne sind: A - A - A - E - C - A - E - C - A

Wir haben also nur drei Töne: A, C und E. Lustigerweise sind das die Töne, aus denen der A-Moll-Akkord besteht. Der Akkord zur Melodie ist also … A-Moll!

Wie wird dieses Wissen beim Songwriting genutzt?

Es gibt Leute, die mit einer Akkordfolge anfangen. Anschließend bauen sie ihre Melodie um die Akkordtöne herum auf. Andere erfinden eine Melodie, und schauen dann, welche Akkorde sich aus den Tönen bilden lassen.

Dann gibt es Songwriter, die von all dem nichts wissen. Dennoch finden sie intuitiv stets die richtige Kombination aus Melodietönen und Akkorden. Alles, was es dazu braucht, sind eine Gitarre oder ein Keyboard, um beim Singen die Akkorde auszuprobieren.

Was ist, wenn all diese Methoden bei Dir nicht funktionieren? Dann geht die Welt auch nicht unter! Eine Freundin von mir hat keine Ahnung von Tönen und Akkorden. Trotzdem hat sie ein Album mit eigenen Songs veröffentlicht, das in den USA eine Nummer-Eins-Platzierung in den Charts abgestaubt hat. Wie geht das?

Sie schreibt ihre Texte und singt dann eine Melodie dazu. Anschließend nimmt sie alles mit dem eingebauten Mikrofon in ihrem Macbook auf. Nun ruft sie einen Gitarristen an, dem sie die Aufnahmen vorspielt. Er sagt ihr dann, welche Akkorde zu ihrem Gesang passen. Damit geht sie ins Studio, wo ein Produzent ihr hilft, die Songs aufzunehmen. Fertig!

Tatsächlich gibt es zahlreiche Hit-Songwriter, bei denen es genau so ist. Sie lassen sich einfach nicht davon abschrecken, dass sie nicht Musik studiert haben, sondern nutzen stattdessen ihr Talent (und die Unterstützung von anderen) um Songs zu schreiben, die Millionen von Menschen begeistern.

Songs schreiben ist keine Raketenwissenschaft. Das Wichtigste ist, damit anzufangen. Bist Du bereit? Super!

Übung 1: Ballade

Spiel die folgenden Akkorde: C / A-Moll / F / G / jeweils einen Takt lang auf dem Keyboard oder einer Gitarre. Wenn Du keines dieser Instrumente spielst, bittest Du einfach einen „musikalischen Kumpel“ oder eine Freundin um Hilfe (denk an Elton John, der auch nicht alles selbst macht!).

Nimm die Akkordfolge auf. Dazu kannst Du ein Diktiergerät verwenden, Dein Smartphone oder eine kostenlose Software. Für Mac-Besitzer ist Garage Band ideal. Wenn Du einen PC hast, kannst Du Audacity kostenlos aus dem Internet laden. Lass die Aufnahme in einer Endlosschleife laufen. Nun singst Du dazu. Zerbrich Dir nicht den Kopf, ob Du das kannst. Sing einfach „La La“ ohne Angst davor, Dich zu blamieren. Sag dem doofen Teufelchen auf Deiner Schulter, dass es die Klappe halten soll, und tu es einfach. Wenn Du eine Melodie gefunden hast, die Dir gefällt, ist die Aufgabe erfüllt. Nimm Sie auf! Wer weiß, was daraus werden könnte!

Übung 2: Pop /Rock

Eine gängige Akkordfolge in diesem Bereich ist: G / C / D / C. Verfahre damit, wie in Übung 1.

Übung 3:

Spiel einen C-Dur-Akkord auf dem Keyboard oder der Gitarre (oder lass es jemanden für Dich tun). Nun sing ein bisschen dazu herum. Wenn Du eine Melodie gefunden hast, die Dir gefällt, versuchst Du, den nächsten Akkord zu finden. Vielversprechende Kandidaten sind: Dm, Em, F, G, Am. Versuche, am Schluss mit einer Akkordfolge dazustehen, die drei Akkorde umfasst und beliebig wiederholt werden kann.

Übung 4:

Spiele wieder einen C-Dur-Akkord. Dann einen der folgenden Akkorde: Dm, Em, F, G, Am und Bb. Achte dabei auf Deine Emotionen. Wie fühlt es sich z. B. an, wenn Du von C-Dur auf A-Moll wechselst? Wie fühlt sich ein Wechsel von Am auf F an? Notiere die Ergebnisse in einem Notizbuch. Wenn Du alle vier Übungen geschafft hast, bist Du auf dem besten Weg, ein/e tolle Songwriter/in zu werden. Genieß die Reise!

Dein Fred Guggenberger

Autor: Fred Guggenberger
Über den Autor:
Fred Guggenberger

Fred Guggenberger wurde einst über Myspace zum „Internet-Rockstar“. Heute arbeitet er als Komponist, Produzent und Autor. Er lebt mit seiner Freundin, zwei Hunden und drei Katzen in einem kleinen Dorf nahe des Auenlands.

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