DAW - Welche ist die Richtige?

DAWs sind aus der modernen Musikproduktion nicht mehr wegzudenken. Sie bieten ein virtuelles Studio im Rechner, das oft den kompletten Arbeitsablauf von der ersten Idee bis zum fertigen Master ermöglicht. Ein weiter Vorteil ist, dass sie vergleichsweise billig sind. Musste man in den Achtzigerjahren noch rund 50.000 DM für eine professionelle 24-Spur-Maschine ausgeben, sind die Digital-Audio-Workstations fast ausschließlich unter 1.000 Euro zu haben. Damit verbunden ist eine gewisse Unsicherheit. Welche DAW soll gekauft werden? Mit diesem Artikel möchte ich Dir bei der Kaufentscheidung helfen. Sehen wir uns die populärsten DAWs aus der Nähe an!

Avid Pro Tools

Pro Tools ist der Industriestandard in der Audiobranche. Egal ob Rockbands, Orchester oder Popstars: Alle arbeiten mit dieser DAW, die einst so viel kostete wie ein Mittelklasse-Auto. Pro Tools ist ein überaus mächtiges Werkzeug, wenn es um das Aufnehmen, Bearbeiten und Mischen von Audiomaterial geht. Neben Künstlern wie Metallica oder Eric Clapton greifen auch Filmstudios regelmäßig auf Pro Tools zurück. So wurde der Film „Avatar“ komplett mit dieser DAW vertont!

Wer mit Midi-Instrumenten, virtuellen Synthesizern und Co arbeiten möchte, war hier allerdings lange benachteiligt. Mittlerweile hat der Hersteller rasant aufgeholt. Dennoch kommt Pro Tools hier (noch!) nicht an Kandidaten wie Logic Pro oder Cubase heran.

Pro Tools ist ideal für Dich, wenn Du überwiegend „echte“ Musik/er aufnimmst, oder Produktionen anderer Künstler abmischen möchtest. Da es jeder hat, wird auch erwartet, dass Du es hast. Wenn Lady Gaga anruft, weil sie Dich als Mischer haben möchtest, solltest Du nicht in Verlegenheit geraten, wenn sie sagt: „Wir schicken Dir die Pro-Tools-Dateien zum Mischen“.

Apple Logic Pro X

Apples DAW hat sich zum liebsten Kind der Produzenten gemausert. Logic Pro ist quasi die „Eier legende Wollmilchsau“, die auf allen Gebieten überzeugen kann. Zudem ist die Bedienung absolut einfach und intuitiv. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass größere Updates nur sehr selten stattfinden. Andererseits ist Logic Pro X so umfangreich ausgestattet, dass man nicht wirklich etwas vermisst. Da die DAW auch noch sehr günstig zu haben ist, ist sie uneingeschränkt zu empfehlen, wenn Du einen echten Allrounder suchst.

Apple Garage Band

Obwohl als Einsteigerprogramm konzipiert, bietet Garage Band eine Menge Möglichkeiten, um Deine Musik aufzunehmen. Garage Band ist eine Mini-Version von Logic Pro X. Vorteil: Wenn Du einen Mac-Rechner besitzt, erhältst Du die Software kostenlos mitgeliefert. Der Umstieg auf Logic Pro X ist dann vergleichsweise einfach, weil die Benutzeroberfläche nahezu identisch ist.

Steinberg Cubase

Cubase hat einst den Markt der Midi-Sequenzer revolutioniert. Dies merkt man bis heute: Cubase ist Weltmeister im Umgang mit Midi-Daten und virtuellen Instrumenten. Die Möglichkeit, Audiodaten aufzunehmen, kam erst später hinzu, was man immer noch ein bisschen merkt. Hier ist Pro Tools um Längen besser ausgestattet. Cubase ist häufig bei Filmmusik-Komponisten und Einzelkämpfern anzutreffen, die damit im Alleingang ihre kompletten Produktionen fahren (Hans Zimmer arbeitet auch damit!). Im Prinzip ist Cubase sehr ähnlich zu Logic Pro X, sodass hier der persönliche Geschmack entscheiden muss.

Presonus Studio One

Ein weiterer Alleskönner! Studio One ist der Junior unter den DAWs, hat sich aber in kurzer Zeit enorm gemausert. Viele sind der Ansicht, dass diese DAW mittelfristig Cubase den Rang ablaufen könnte. Eine echte Alternative ist es heute schon.

Ableton Live

Diese DAW bietet Dir einen spielerischen Ansatz, bei dem Du Aufnahmen in Echtzeit kombinieren und arrangieren kannst. Die loopbasierte Arbeitsmethode macht Abletons DAW zum Favoriten vieler Produzenten im Bereich elektronische (Dance)Musik. Was nicht heißt, dass Du Ableton Live nur dafür nutzen kannst. Tatsächlich bietet Dir diese DAW fantastische Möglichkeiten, Stücke in Echtzeit zu arrangieren oder umzubauen, ohne dass Du jedes Mal Aufnahmen mit der Maus herumschieben musst. Dies ist gerade dann hilfreich, wenn Du verschiedene Versionen eines Stückes erstellen möchtest, z. B. eine Albumversion plus einer kürzeren Version für das Radio.

Harrison MixBus 32

Harrison ist ein legendärer Mischpulthersteller aus den USA. Der warme Harrison-Sound hat zahlreiche Alben geprägt (u. a. „Thriller“ von Michael Jackson.) Was liegt da näher, als das berühmte Harrison-32-Pult in eine DAW zu verwandeln? Die Besonderheit dieser DAW ist das integrierte Mischpult, das Sound und Feel der legendären Pulte kopiert. In puncto Aufnahme- und Bearbeitungsfunktionen ist Mixbus gut ausgestattet, kommt aber noch nicht an die Platzhirsche heran.

In Zeiten, in denen viele von den üblichen „37 Equalizern und 45 Kompressoren“ ihrer DAW überfordert sind, ist es erfrischend, einfach mal wieder auf einem „normalen“ Pult zu mischen. Dies (und der Sound) sind die Stärke dieser DAW, die für einen sehr günstigen Preis zu haben ist. Insofern ist MixBus auch als Zweit-DAW denkbar. Aufnehmen und Editieren mit einer anderen Software, Mischen in MixBus.

Cockos Reaper

Reaper hat sich heimlich, still und leise an die berühmten DAWs herangeschlichen, um ihnen Konkurrenz zu machen. Die Software fällt in die Kategorie „Allrounder“ und hat sehr vieles zu bieten. Echte Schwächen sind nicht auszumachen, sodass gerade Käufer mit kleinem Budget hier einen günstigen Knaller finden, der es an nichts mangeln lässt.

Propellerhead Reason

Die Grundidee von Reason ist, Dir ein komplettes Rack mit Synthesizern, Sampler und Effektgeräten zur Verfügung zu stellen. Die grafische Oberfläche ist sehr schön gemacht (es macht Spaß, Kabel herauszuziehen und woanders einzustecken!). Reason zählt zu den Lieblingen der Produzenten elektronischer Musik. Mittlerweile hat die DAW auch im Bereich Audioaufnahmen ein gewichtiges Wort mitzureden. Ein Novum ist, dass diese DAW als einziger Kandidat in dieser Liste in andere DAWs integriert werden kann. Go, Reason, go!

Image Line FL Studio

Früher war dieses Programm als „Fruity Loops“ bekannt. FL Loops ist ein mächtiges Werkzeug, wenn Du vorrangig Loops produzieren möchtest. Für Produzenten im Bereich Rock, Blues, Schlager, Volksmusik, Metal und Co ist es somit nicht die beste Lösung.

Audacity

Die kostenlose Software Audacity darf in diesem Vergleich natürlich nicht fehlen. Leider ist ihr größter Pluspunkt, dass sie nichts kostet. In allen anderen Kriterien hinkt sie weit hinter den anderen DAWs her.

Fazit:

Ich habe in diesem Artikel über Stärken und Schwächen der DAWs gesprochen. Dies soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass „schwach im Bereich XY“ nur im Vergleich gilt. So gibt es viele Pro-Tools-User, die diese Software regelmäßig für Synthesizer-Produktionen nutzen (es heißt, die Pet Shop Boys hätten von Logic Pro zu Pro Tools gewechselt!). Ebenso habe ich letztes Jahr einen Studiobesitzer getroffen, der mit Cubase Produktionen anderer Künstler mischt. Er fühlt sich einfach wohl damit. Meine Wenigkeit liebt analoge Mischpulte, aber anstatt MixBus 32 zu verwenden, mische ich in Logic Pro X. Am Ende entscheidet der persönliche Geschmack.

Ich hoffe, Dir mit dieser Übersicht geholfen zu haben, und wünsche Dir viel Freude beim Musikmachen!

Dein Fred Guggenberger

PS: Ich habe ich mich in diesem Artikel auf die Probanden konzentriert, die eine hohe Verbreitung genießen. Manche DAW, die gestern noch gefragt war, ist gerade auf dem absteigenden Ast. Andere haben es nie geschafft, arbeitende Produzenten oder Tontechniker zu überzeugen. Die in diesem Artikel vorgestellten DAWs sind (mit Ausnahme von Audacity) regelmäßig im Profibereich anzutreffen, und kosten nicht mehr, als die Kandidaten, die ich weggelassen haben. Dies gilt übrigens auch für Garage Band, das von vielen Musikschaffenden verwendet wird, um die eigenen Songs daheim aufzunehmen, bevor sie zum Mischen an einen Profi gehen.

Autor: Fred Guggenberger
Über den Autor:
Fred Guggenberger

Fred Guggenberger wurde einst über Myspace zum „Internet-Rockstar“. Heute arbeitet er als Komponist, Produzent und Autor. Er lebt mit seiner Freundin, zwei Hunden und drei Katzen in einem kleinen Dorf nahe des Auenlands.

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